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RNZ-Zeitungsartikel

Bunt und friedlich Flagge gezeigt

Mit einem politischen Bürgerfest wurde am Samstag gegen die AfD demonstriert: „Mehr Sanftmut statt Hetze und Hass“

Buchener Bürger gingen auf die Straße, um zu zeigen, dass es in Buchen keinen Raum für Rassismus und Hetze geben soll.

Der Name war Programm: „Punkrock“ sang gegen Intoleranz an.

AfD-Wahlkampf in Buchen: „Unser Land hat sich verändert“

Buchen. (tra) „Wir wollen zeigen, dass wir weltoffen und tolerant sind.“ Unter diesem Motto gingen am Samstag rund 250 Buchener auf die Straße. Mit einer bunten und friedlichen Demonstration zeigten die Bürger – darunter Vertreter der Kirchen, der Parteien, des Gemeinderats, der Vereine, Ärzte und Künstler -, dass es in Buchen keinen Raum für Intoleranz, Rassismus und Hetze geben soll.

„Wir sind es Opfern des Nationalsozialismus wie Jacob Mayer schuldig, dass wir die AfD in Buchen nicht unkommentiert zu Wort kommen lassen“, rief Amelie Pfeiffer vom Bündnis „Herz statt Hetze“ den Demonstranten zu. Mit Bannern, Trillerpfeifen und der Unterstützung einer Krachkapelle gingen dann Menschen aller Generationen, darunter Familien mit Kindern, auf die Straße, um die im Grundgesetz verankerten Werte zu verteidigen. Die Demo endete am Wimpinaplatz, wo Buchen bei einem politischen Bürgerfest Flagge zeigte: Niemand darf wegen seiner Herkunft, Nationalität, Religion oder seinem privaten Lebensentwurf ausgegrenzt werden. Auch Bürgermeister Roland Burger mischte sich unter die Besucher.
Demonstration gegen AfD-Veranstaltung in Buchen

„Hol dir dein Land zurück“ ist auf Wahlplakaten der AfD zu lesen. „Wer nimmt es mir denn?“, wollte Dekan Rüdiger Krauth wissen, der als erster Redner ans Mikrofon trat und für die Kirchen sprach. „Keiner der Flüchtlinge, mit denen ich arbeite, hat mir ,mein Land’ genommen.“ Die AfD habe es sich zur Taktik gemacht, Angst zu erzeugen. „Seid skeptisch, wenn eine Partei mit Angst arbeitet“, sagte er. Krauth verwies auch auf die Bibel – im „Land der Verheißung“ wird niemand ausgegrenzt.

Ausgrenzung soll es auch in der Schule nicht geben: BGB-Schüler David Rödel fasste poetisch den Wertekonsens des Burghardt-Gymnasiums zusammen: „An unserer Schule ist jeder willkommen, Vielfalt macht das Leben vollkommen.“

Rolf Grüning vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB Main-Tauber) kritisierte in seiner kämpferischen Rede, für die er viel Applaus bekam, dass die AfD sich als „Partei des kleinen Mannes“ präsentiert: „Wir Gewerkschaften warnen vor dieser Partei.“ Der DGB-Kreisvorsitzende positionierte die AfD im rechtsradikalen Spektrum: So zitierte er Christina Baum, die stellvertretende Landesvorsitzende der AfD Baden-Württemberg, die „einen schleichenden Genozid an der deutschen Bevölkerung“, der durch Flüchtlinge verursacht wird, kommen sieht. „Der Begriff Genozid wurde erstmals für den Völkermord an den Juden verwendet“, kritisierte Grüning. Auch Timo Büchner von „Mergentheim gegen Rechts“ ordnete Baum in den „radikalen Flügel“ ein.

Der Buchener Stadtrat Felix Pflüger sieht Baum sowie Alexander Gauland, der am Samstag in der Stadthalle sprach, ebenfalls im „völkisch-nationalen Flügel“ der Partei. „Rhetoriken und Weltbilder, die bis vor einigen Jahren als rechtsradikal und unaussprechbar galten, erreichen nun eine politische Bühne“, warnte Pflüger. Die AfD spiele sozial Schwache gegeneinander aus und könne gleichzeitig keine Antworten auf soziale Fragen liefern. Vielmehr stehe sie für den Abbau des Sozialstaates. Die Partei zeige Probleme auf, habe jedoch keine Lösungen. Dies gelte auch für das Thema Flucht.

Dorothee Roos von der KZ-Gedenkstätte Neckarelz befasste sich in ihrer Rede mit AfD-Politikern, die ein Ende der Erinnerungskultur an den Zweiten Weltkrieg fordern. Sie betonte: „Die Werte und das Grundgesetz der Bundesrepublik sind aus der Aufarbeitung des Nationalsozialismus gewachsen. Durch Aufarbeitung haben wir uns von Militarismus und Ausgrenzung losgesagt und einen Rechtsstaat geschaffen, den wir verteidigen müssen.“ Sie berichtete, dass AfD-Mitglieder die Gedenkstätte besucht hätten und dies nun instrumentalisierten: „Die AfD nutzt den Besuch, um sich von Rassismusvorwürfen reinzuwaschen.“

Franziska Hahn und Jörg Keller sprachen für den Buchener Arbeitskreis Asyl und luden ein, durch die Begegnung mit Flüchtlingen selbst „bunter im Kopf zu werden“, neue Perspektiven zu entwickeln und die „Menschen hinter den Klischees“ zu sehen. Sie hofften, dass Rassismus und Intoleranz in Buchen nicht Fuß fassen werden.

Simon Beiche von „Mosbach gegen Rechts“ sprach in seinem Statement die etablierten Parteien an: „Wenn eine Partei wie die AfD in der Bevölkerung Rückhalt hat, muss die Politikverdrossenheit groß sein. Das Gegenmittel ist, glaubhafte Politik für die Bürger zu machen.“

Auch Musiker, Sänger und Künstler engagierten sich für Toleranz: Welches Lied hätte da besser passen können als die Anti-Rassismus-Hymne „Schrei nach Liebe“ von den „Toten Hosen“, mit der die Band „Dirty 30s“ loslegte?

Der „Zwibbelclub 2.0.“ sang über ein Buchen, das „früher schwarz war und heute bunt ist“, und Chormitglieder aus Buchen und Walldürn sangen mit „Europa“ von den „Toten Hosen“ gegen Abschottung an. Für Gänsehaut-Momente sorgten Stefan Müller-Ruppert und Horst Berger mit „Sage Nein!“.

Gegen Abend spielten Blechbläser und die Band „Punk Rock“. Zu fortgeschrittener Stunde – das Programm dauerte sechs Stunden – zeigten die Hip-Hopper, die eine Vorzeigegruppe in Sachen Integration sind, ihre Moves.

Am Ende der Veranstaltung, bei der es völlig friedlich blieb, wünschten sich die Organisatoren von „Herz statt Hetze“ vor allem eines: „Mehr Sanftmut und besseres Zuhören statt Hetze und Hass“.