Gibt es da noch Zukunft?
Vortrag und Diskussion mit Johannes Zang
Die Initiative Herz statt Hetze Neckar-Odenwald-Kreis hat in Kooperation mit dem Mehrgenerationentreff in Osterburken zu dem Vortrag „2 Jahre Krieg – Gibt es da noch Zukunft?“ mit dem Journalist, Musiker und Reiseleiter aus dem Nahen Osten Johannes Zang eingeladen.
Dabei beschäftigte er sich mit der Frage: „Gibt es nach Jahrzehnten von Gewalt, Leid und Stillstand im Nahen Osten überhaupt noch Hoffnung auf Frieden?“
Johannes Zang, der auf über 30 Besuche und Recherchereisen nach Gaza zurückblickt, gilt als ausgewiesener Kenner der Region. Seine Berichte und Bücher beleuchten nicht nur die politischen Entwicklungen, sondern auch das kirchliche und religiöse Leben in Israel und Palästina. Dabei vermittelt er Hintergrundinformationen, die in den großen Medien oft zu kurz kommen.
Mit großem Wissen und persönlicher Eindringlichkeit führte der Journalist das Publikum durch die wechselvolle Geschichte des Konflikts. Er erinnerte an die Zeit um 1878 1880, als 95 Prozent der Bevölkerung des Landes palästinensisch waren, und erklärte, wie Einwanderungswellen, zunächst russischer, später europäischer Jüdinnen und Juden, zu wachsenden Spannungen führten. Die Teilungspläne der UN-Kommission von 1947, Vertreibungen und bürgerkriegsähnliche Zustände markierten entscheidende Wendepunkte.
Auch die Entstehung der Hamas, das Verhältnis zur israelischen Regierung und die Lage der Zivilbevölkerung standen im Fokus. Besonders eindrucksvoll waren Zangs persönliche Erlebnisse, etwa seine Zeit im israelischen Kibbuz Be‘eri im Jahr 1986, demselben Ort, der am 7. Oktober 2023 durch das verheerende Massaker traurige Berühmtheit erlangte und der über 100 Opfer zu beklagen hatte.
Emotional wurde es, als Johannes Zang von Begegnungen mit Menschen aus Gaza, Bethlehem und Jerusalem berichtete. Der Alltag ist vom Konflikt geprägt ist und viele suchen dennoch nach Frieden. Hoffnung schöpft er aus Begegnungen mit Initiativen wie dem Parents‘ Circle, einer Organisation israelischer und palästinensischer Eltern, die ihre Kinder, Geschwister, Eltern oder andere Angehörige im Konflikt verloren haben und sich gemeinsam für Verständigung und Versöhnung einsetzen.
Auch andere nichtstaatliche Organisationen, die auf Kooperation statt Konfrontation setzen, nannte er als Beispiele für Wege in eine lebenswerte Zukunft.
Sein Vortrag endete mit einer lebhaften Fragerunde, in der deutlich wurde, wie groß das Interesse und der Wunsch nach Verständnis unter den Zuhörerinnen und Zuhörern sind. Die Initiative Herz statt Hetze Neckar-Odenwald-Kreis übernahm die Kosten der Veranstaltung, sodass alle an diesem Abend gesammelten Spenden einer Hilfsinitiative zugunsten der Bewohner Gazas zugutekommen.
Ein Abend, der zum Nachdenken anregte und der trotz der Schwere des Themas eine Botschaft vermittelte: Frieden ist nur möglich, wenn Menschen den Mut haben, sich aufeinander zuzubewegen.